{"id":1968,"date":"2022-01-19T11:53:55","date_gmt":"2022-01-19T11:53:55","guid":{"rendered":"https:\/\/jurgeneit.de\/?p=1968"},"modified":"2022-01-19T11:53:57","modified_gmt":"2022-01-19T11:53:57","slug":"komfortzone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jurgeneit.de\/index.php\/komfortzone\/","title":{"rendered":"Grenzgebiet"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Bis hierher und nicht weiter. Oder: Wie wir uns im Team unsere Komfortzone gestalten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In meinen Blogartikeln zur <a href=\"https:\/\/jurgeneit.de\/beduerfnisorientierte-fuehrung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">bed\u00fcrfnisorientierten F\u00fchrung<\/a> und zu <a href=\"https:\/\/jurgeneit.de\/fuehrungsmotivation\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Leitmotiven von F\u00fchrungskr\u00e4ften<\/a> galt mein Blick der wertsch\u00e4tzenden Zusammenarbeit zwischen F\u00fchrungskr\u00e4ften und einzelnen Mitarbeiter*innen. Es blieb die Frage offen, wie wir den mit den Bed\u00fcrfnissen eines Teams umgehen k\u00f6nnen? Also dann, wenn es nicht mehr nur um einzelne geht, sondern eine Gruppe von Mitarbeiter*innen. Dazu lade ich Sie herzlich ein, sich einmal mit dem Begriff der Komfortzone zu besch\u00e4ftigen. Klingt entspannt, oder? Kennen Sie Ihre Komfortzone? Oder ganz mutig gefragt: Kennen Sie die Komfortzone Ihres Teams? <\/p>\n\n\n\n<p>Lassen Sie uns doch hier einmal genauer hinschauen und herausfinden warum es so wichtig sein kann, die Komfortzone eines Teams zu kennen.<\/p>\n\n\n\n<h3>Leben im Kontinuum <\/h3>\n\n\n\n<p>Es gibt unz\u00e4hlige Modelle, die versuchen, unsere Pers\u00f6nlichkeit zu beschreiben. Diese Vielfalt macht durchaus Sinn, denn ein Modell ist immer nur <em>ein<\/em> Erkl\u00e4rungsansatz, um die Wirklichkeit zu beschreiben. Ich mag Modelle, die davon ausgehen, dass unsere Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale keine starren Konstrukte sind (wenn auch \u00fcber die Zeit stabil), sondern sich auf einem Kontinuum bewegen. Eher fr\u00f6hlich, als traurig. Eher introvertiert, als extrovertiert. Diese Sichtweise schlie\u00dft mit ein, dass wir uns auf diesem Kontinuum, je nach Situation durchaus bewegen k\u00f6nnen. Es hei\u00dft auch, dass selten zwei Menschen genau die gleiche Merkmalsauspr\u00e4gung haben. Sie bewegen sich nur in einem \u00e4hnlichen Bereich dieses Kontinuums. Also beide eher introvertiert und doch kann es noch Unterschiede in der Auspr\u00e4gung geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Lassen Sie uns von dieser Idee f\u00fcr den Moment einmal ausgehen und schauen, wohin sie uns f\u00fchrt. Jedes unserer Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale bewegt sich also auf einem Kontinuum zwischen zwei Polen.<\/p>\n\n\n\n<h3>Ich sehe Dich so, wie ich bin<\/h3>\n\n\n\n<p>Mein Lieblingsbeispiel, um dieses &#8222;Merkmalskontinuum&#8220; zu beschreiben, geht so:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Heinz ist ein Lebemann. Sein Motto lautet &#8222;Das letzte Hemd hat keine Taschen.&#8220; Heinz gibt das Geld, das er hat, aus. Er bedenkt auch andere mit teuren Geschenken. Diskussionen \u00fcber das Budget im Team nerven ihn. So lange Geld da ist, kann es doch auch genutzt werden. Einige im Team empfinden Heinz Art als verschwenderisch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Luise wei\u00df zu leben. Sie tr\u00e4gt gern teure Kleidung und g\u00f6nnt sich auch mal ein besonderes Mittagessen. Gern l\u00e4dt sie andere dazu ein oder schmei\u00dft eine Runde im Team. Manche m\u00f6gen Luise sehr,<\/em> <em>weil sie so eine gro\u00dfz\u00fcgige Art hat.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Erwin gilt in seinem Team als sparsam. Er achtet bei den Ausgaben sehr darauf, ob diese notwendig sind und vergleicht gern Angebote, um zu sparen. Seine Tipps und Tricks sind im Team sehr beliebt.<\/em> <em>Manch einer w\u00e4re auch gern so sparsam wie Erwin.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Brunhilde achtet auf ihr Geld und ihr ist wichtig, dieses sinnvoll einzuteilen. Sie wei\u00df ihr Geld zusammenzuhalten. Sie f\u00fchrt eine Strichliste dar\u00fcber, wieviel Kaffee sie im B\u00fcro trinkt und rechnet dies auf ihren Anteil an der Kaffeekasse um. Manche empfinden Brunhilde als geizig. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Skala von dem Beispiel reicht von &#8222;verschwenderisch&#8220; \u00fcber &#8222;gro\u00dfz\u00fcgig&#8220; zu &#8222;sparsam&#8220; und &#8222;geizig&#8220;. Viele Facetten eines Merkmals. Das spannende ist doch dabei, ab wann ist ein Verhalten nicht mehr gro\u00dfz\u00fcgig, sonder verschwenderisch? Wann empfinden wir jemanden nicht mehr als sparsam, sondern als geizig? Tja nun, wahrscheinlich k\u00f6nnen Sie es sich schon denken. Es kommt darauf an, wo wir selber stehen. Wenn ich selber einen hohen Anteil an &#8222;gro\u00dfz\u00fcgigem Verhalten&#8220; in mir trage, dann werde ich jemanden vielleicht schnell als &#8222;geizig&#8220;, nicht aber so schnell als &#8222;verschwenderisch&#8220; betrachten. Die Grenzen liegen bei unterschiedlichen Menschen also durchaus an verschiedenen Stellen. <\/p>\n\n\n\n<h3>Das geht ja gar nicht!<\/h3>\n\n\n\n<p>Jetzt kommt noch etwas dazu. Wir haben nicht nur pers\u00f6nliche Werte, die wir leben und die unsere Pers\u00f6nlichkeit pr\u00e4gen, sondern auch Widerst\u00e4nde, die sich in unseren Reaktionen auf das Verhalten anderer zeigen. Und diese sind bei jedem Menschen auch wiederum sehr unterschiedlich ausgepr\u00e4gt. So kann ich selber sparsam sein und gleichzeitig einen gro\u00dfen Widerstand gegen\u00fcber geizigen Menschen haben. Wir bewegen uns damit also zwischen verschiedenen Auspr\u00e4gungen, deren Grenzen bei jedem Menschen ganz unterschiedlich verlaufen und auch unterschiedlich viel Spielraum beinhalten. Das macht unsere vielf\u00e4ltige Pers\u00f6nlichkeit aus. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Riemann-Thomann Modell wird diese Komfortzone, in der wir uns bewegen etwas vereinfacht, aber ganz anschaulich, als das &#8222;Heimatgebiet&#8220; beschrieben. Innerhalb eines Koordinatensystems verschiedener Pole bewegen wir uns je nach Situation in verschiedene Richtungen. Legt man das Verhalten einer Person in vielen Situationen \u00fcbereinander, erh\u00e4lt man ein Gebiet, in dem sich dieser Mensch am sichersten f\u00fchlt. Die Komfortzone, oder eben das Heimatgebiet. In diesem Gebiet sind wir leistungsf\u00e4hig und f\u00fchlen uns ungest\u00f6rt. Hilfreich an dem Modell finde ich, dass es einschlie\u00dft, dass wir uns durchaus auch au\u00dferhalb unserer Komfortzone bewegen. Aber am sch\u00f6nsten ist es doch in der Heimat.<\/p>\n\n\n\n<h3>Grenzgebiet<\/h3>\n\n\n\n<p>Als Team k\u00f6nnte es spannend sein, herauszufinden, wo sich das Heimatgebiet der Mitarbeiter*innen zu einem spezifischen Thema befindet. Wo verlaufen die Grenzen? Dieses Gebiet kann auch als kleinster gemeinsamer Nenner verstanden werden. Hier findet gegenseitiges Verstehen seinen Ursprung. <\/p>\n\n\n\n<p>Nun k\u00f6nnte man meinen, dass es gut sei, wenn die individuellen Komfortzonen m\u00f6glichst \u00e4hnlich sind. Wenn sich also m\u00f6glichst viele im gleichen Gebiet tummeln. Ich f\u00fcrchte aber &#8211; und das sagt auch meine Erfahrung &#8211; das ist zu einfach gedacht. Denn das bedeutet auch, dass es wom\u00f6glich zu viel des gleichen gibt und der Spielraum sehr klein wird. Wenn alle Abwechslung bevorzugen und jeden Tag neue Ideen umsetzen wollen, bleibt die Best\u00e4ndigkeit auf der Strecke. Wenn sich alle einig sind, dass Distanz bei der Arbeit okay ist, kann auf Dauer die N\u00e4he fehlen. Es braucht also ein gemeinsames Gebiet, aber eben auch die Unterschiedlichkeit. Noch besser ist, wenn wir uns im Team so wohlf\u00fchlen, dass die Komfortzone miteinander wachsen kann. Wenn ich Ver\u00e4nderungen eher skeptisch gegen\u00fcberstehe, kann ich in diesem Team gelernt haben, dass ich ausreichend gesch\u00fctzt werde. Dass ich Ver\u00e4nderung aushalten kann, wenn sie vom ganzen Team getragen wird.<\/p>\n\n\n\n<h3>Gemeinsam rausgehen<\/h3>\n\n\n\n<p>Um mit der Unterschiedlichkeit zwischen Mitarbeiter*innen umzugehen, braucht es aus meiner Sicht vor allem Wertsch\u00e4tzung. Ich habe in der vergangenen Woche einen neuen Begriff kennengelernt, der mir sofort gefallen hat und gut in die Teamarbeit passt (eigentlich kommt er aus der P\u00e4dagogik): &#8222;achtsam zumuten&#8220;. Wir d\u00fcrfen uns ruhig gegenseitig etwas zumuten. Mut zusprechen, eine Grenze zu \u00fcberschreiten, etwas auszuhalten, was uns widerspricht, gegenseitig ermuntern, neue Wege auszuprobieren. Wir k\u00f6nnen gemeinsam die Grenze verschieben. Den Unterschied macht f\u00fcr mich dabei die Wertsch\u00e4tzung der Grenze. Zu benennen, dass wir die Komfortzone des einen verlassen. Achtsam damit umzugehen und nicht einfach Z\u00e4une einzurei\u00dfen. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch wie kann das gehen? Wir reden hier ja immer noch von einem Arbeitsteam&#8230; <\/p>\n\n\n\n<p>Ich mag folgende Frage in Prozessen, bei denen es darum geht, Neues im Team einzuf\u00fchren: <em>Was ist gerade noch okay?<\/em> Und dann stelle ich die Frage in alle Richtungen. Ein Einzelb\u00fcro f\u00fcr alle geht nicht, was w\u00e4re gerade noch okay? Flexible Arbeitspl\u00e4tze sind f\u00fcr manche schwer auszuhalten, was ist gerade noch okay? Und dann kommen wir zu kreativen L\u00f6sungen im Grenzgebiet unserer gemeinsamen Komfortzone. Und noch mehr. Wir lernen h\u00e4ufig auch zu verstehen, was genau die Grenze ausmacht. <em>Ein hoher Workload ist gar nicht so schlimm, wenn ich daf\u00fcr meine Pause individuell gestalten kann.<\/em> Ah, es geht um die Pausen. <em>Ein Gro\u00dfraumb\u00fcro st\u00f6rt mich nicht, wenn es verschiedene Zonen gibt (Ruhezone, kreative Zone, Austauschplattform&#8230;). <\/em>Ach, es geht um die Art der Arbeit im Gro\u00dfraumb\u00fcro. Und manchmal n\u00fctzt alles nichts. Da m\u00fcssen wir raus aus dem Heimatgebiet und auch das aushalten. Dieses bewusst zu tun kann einen Unterschied machen.<\/p>\n\n\n\n<h3>Achtung! Sie verlassen sicheres Gel\u00e4nde<\/h3>\n\n\n\n<p>Mit diesem Bild des Heimatgebietes wird deutlich, warum es manchmal scheinbar Kleinigkeiten sind, die zu einem Widerstand f\u00fchren. Wenn sich Mitarbeiter*innen stetig im Grenzgebiet aufhalten und wenig Zeit in der eigenen Komfortzone verbringen, sind diese stark damit besch\u00e4ftigt, ihre Grenzen zu sch\u00fctzen. Werden diese dann erneut verschoben, setzt der Widerstand ein. Es ist also wichtig darauf zu achten, dass das Team, aber auch jede*r Mitarbeiter*in m\u00f6glichst auch Zeit in der Komfortzone verbringen kann. Wie so oft macht es die Mischung.<\/p>\n\n\n\n<h3>Unser Heimatgebiet<\/h3>\n\n\n\n<p>Mit dem Wissen um das Heimatgebiet des Teams k\u00f6nnen F\u00fchrungskr\u00e4fte Ver\u00e4nderungen achtsam und wertsch\u00e4tzend steuern. Achtsam und sorgf\u00e4ltig zu entscheiden, ob es notwendig ist, neue Gebiete zu erkunden oder ob die Zeit ein sicheres arbeiten innerhalb der Komfortzone erfordert, kann ein hilfreicher Ansatz sein. Und es ist so spannend, das Gebiet zu erkunden und die schillernden Facetten kennenzulernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo sind Sie zu Hause? Wo ist Ihr Team beheimatet? Finden Sie es heraus!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kennen Sie Ihre Komfortzone und die Ihres Teams? Nein?! Dann sollten Sie da mal genauer hinschauen. 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